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Was wissen die Tiere?

Toblacher Gespräche 33. Ausgabe

Die Toblacher Gespräche haben sich im Laufe ihrer 35-jährigen Geschichte Fragen wie Solarenergie und Elektromobilität, Agrarökologie und Ernährung, Digitalisierung und Bildung gewidmet, doch selten kam die Rede auf Tiere, unsere Mitgeschöpfe. Ein Thema, das für uns ökologisch Gesinnte eigentlich naheliegend sein müsste. Sicherlich, in „Was wissen
die Bäume?“ nahmen wir die Biodiversität in den Blick, aber die Tierwelt ließen wir außen vor. Deshalb das Thema: „Was wissen die Tiere?“ Bis zum 19. Jahrhundert nahmen Tiere im Vergleich zu den Menschen eine grundsätzlich untergeordnete Stellung ein. Seit Darwin wird
die Kontinuität zwischen Menschen- und Tierwelt betont, und die Evolutionstheorie ist aus unserem Weltbild nicht mehr weg zu denken. Menschen, Tiere, Pflanzen und Pilze sind als ein universales Lebensnetz zu begreifen. In neuerer Zeit hat die Genetik gezeigt, was Philosophen
wie Hans Jonas schon Jahrzehnte früher vorweggenommen haben: gemeinhin den Menschen vorbehaltene Eigenschaften wie Intentionalität und Aufschub von Triebbefriedigung finden sich schon bei den einfachsten Formen von Leben und die genetische Übereinstimmung mit Tieren, die uns entschieden entfernt scheinen, wie die Mäuse, liegt bei 99%. Längst weiß man, dass sich nicht nur Menschenaffen und Delfine klug verhalten; auch Vögel, Tintenfische und Insekten zeigen intelligentes Verhalten.

Es ist eine Alltagserfahrung, dass Tiere Gefühle haben, der treue Hundeblick ist sprichwörtlich. Wissenschaftler finden zunehmend Beweise für ein Innenleben in fremdartigen Kreaturen, die sich an immer weiter entfernten Ästen des Baums des Lebens entwickelt haben: Vögel,
Insekten bis hin zu Mikroorganismen. Kurz und gut, die Natur, und mit ihr besonders die Tiere, haben einen Zweck an sich selbst und nicht nur einen Nutzwert für den Menschen. Sie haben Rechte, welche ist umstritten. In der Toblacher Gesprächen 2022 wollen wir – duldsam mit uns selbst den heftigen Widersprüchen nachgehen, in die wir uns in unserem Verhältnis zu Tieren verwickeln. Einerseits verwöhnen wir unsere Haustiere, anderseits grillen wir Rindersteaks zum Abendessen. Einerseits sehen wir uns staunenswerte Naturfilme an, anderseits wissen wir, dass die meisten Nutztiere ein elendes Leben führen, bis sie auf unseren Tellern landen.
Das ist das weite Feld der Tierethik, das in der Nachhaltigkeitsdebatte eine seltsame Rolle spielt; verdrängt und randständig bei vielen, lauthals und fanatisch bei (zu?) wenigen.

 

Programm Toblacher Gespräche

VERANSTALTER & SEKRETARIAT
TOBLACHER GESPRÄCHE
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Tel. (+39) 0474 976151 · info@toblacher-gespraeche.it

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